Wer in den kommenden Wochen durch die Metzstraße geht, wird vor der Wörthstraße 14 auf etwas stoßen, das dort bisher nicht hingehörte: eine offene Holzkonstruktion über den bestehenden Fahrradständern, mitten im Franzosenviertel. Vom 29. Mai bis zum 31. Juli steht hier das Reallabor ZuHaus, ein Quartierzimmer für Haidhausen, das die Frage stellt, was aus einer Fläche werden kann, die wir sonst kaum beachten – dem ruhenden Verkehr.
Die Idee dahinter ist so einfach wie unbequem. Lassen sich Parkstände, die wir bislang selbstverständlich Autos und Fahrrädern überlassen, auch als gemeinschaftliche Räume denken? Als Orte zum Arbeiten, Musizieren, Spielen, Lernen oder Diskutieren? Der Raum ist bewusst unfertig gehalten und wird mit den Menschen vor Ort bespielt und weiterentwickelt. In Workshops entstehen Möbel, am Runden Tisch werden Zukunftsfragen der Stadt verhandelt, und unterschiedliche Nutzungen werden unter realen Bedingungen ausprobiert. Begleitende Gespräche und Umfragen sammeln, welche Qualitäten, Programme und Atmosphären ein solcher Ort braucht, um auf Dauer angenommen zu werden.



Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht und kostet nichts. Über die Website zuhaus-haidhausen.de buchst du im Kalender ein Zeitfenster, siehst das tägliche Programm ein und kannst in einer rund vierminütigen Umfrage deine Eindrücke hinterlassen. Wer das Viertel kennt, ahnt, dass an dieser Stelle ohnehin selten Stillstand herrscht – nun bekommt die Bewegung einen Rahmen.
Hinter dem Experiment steht der Architekt Clemens Hoyer, der ZuHaus im Rahmen seiner Promotion entwickelt hat. Unter dem Titel „Vom generischen zum spezifischen Raum“ untersucht er das Nachverdichtungspotenzial von Parkraum in dichten Quartieren, am konkreten Beispiel des Franzosenviertels. Die Überlegung reicht über die Straße hinaus. Wenn sich Funktionen wie gemeinsames Arbeiten oder Treffen aus den Wohnungen in geteilte Quartiersräume verlagern lassen, entsteht innerhalb bestehender Wohnungen neuer Spielraum. Das Arbeitszimmer, das niemand mehr daheim braucht, könnte einem Kinderzimmer weichen. So verhandelt ZuHaus nicht nur die Zukunft des Straßenraums, sondern auch die Frage, wie Nachbarschaft, Gemeinschaft und Wohnen in der dichten Stadt von morgen organisiert sein könnten.
Weitere Infos & Programm: https://www.zuhaus-haidhausen.de