Das Stück „Munich Machine“ beginnt mit kosmischer Musik und Kirchenläuten, was eigentlich schon den Inhalt des Stücks auf den Punkt bringt. Es geht um Gesellschaft, Religion und um Utopie. Den Rahmen bildet der Filmemacher Klaus Lemke. Er begleitet die Zuschauer*innen auf ihrer Zeitreise durch die Münchner Geschichte seit dem ersten Weltkrieg.
Nachdem eine Raumkapsel in das Leben Klaus Lemkes einschwebt ist, geht er mit den Ausserirdischen auf die Suche nach den Revolutionen in München. Klaus Lemke, gespielt von Brigitte Hobmeier, ist da schon schwer krank und wird begleitet von seine(r) Freund(in) Amore, gespielt von Tomas Hauser. Der Kosename ist eine Anspielung auf Lemkes Film „Amore“.

Mit Amore und seinem Besuch erlebt Lemke die Zeit von der Münchner Räterepublik über die linksgerichteten Anschläge bei den Olympischen Spielen über die Verfehlungen der katholischen Kirche über Franz Josef Strauss bis hin zur Discomusik in den späten siebziger Jahren. Letztere gab unter anderem dem Abend seinen Namen. „Munich Machine „ist zugleich eine Referenz an den Sound von Giorgio Moroder, verkörpert von der Sängerin Donna Summer ( mit ihrem Titel „I feel Love“), aber auch der Titel das legendären Electroalbums von DJ Hell aus dem Jahr 1998.
Den Gesamtüberblick über die Verrücktheiten der letzten 175 Jahre in München hat die „Mama“ Bavaria, die im Tonfall des Komikers Sandro Cap über das Streben der Stadt nach Freiheit spricht.
Die historischen Ereignisse werden eindrucksvoll filmisch aufbereitet, zum großen Teil mit dokumentarischen Aufnahmen. Darüberhinaus werden Szenen wie aus den „Münchner Geschichten“ mit Schauspielerin des Residenztheater nachgestellt. Den Abend beschließt die Frage nach Integration und wer zur bayerischen Gesellschaft gehört.

Der Tod holt den schwerkranken Klaus Lemke schließlich ein. Nachdem er den Sensenmann verkleidet als Münchner Kindl immer wieder vertröstet hat, gleich dem Stück „Brandner Kaspar“. ebenfalls im Residenztheater zu sehen. Auch die Außerirdischen in ihrem Weißwurst- und Oskar Schlemmer-Kostümen werden wieder in den Himmel gebeamt.
„Munich Machine“ von Albert Ostermaier zeigt eine Aneinanderreihung einschneidender Ereignisse in der Geschichte der Stadt Münchens mit dystophischen Zügen. Man könnte es auch, wie es eine Zuschauerin nannte, als „harten Tobak“ bezeichnen.
Umgesetzt wurde „Munich Machine“ als Gesamtkunstwerk von dem Berliner Künstler und Theaterregisseur Ersan Mondtag, der neben der Inszenierung, auch die Bühne und die Kostüme übernahm. Bereits in seiner Zeit beim KAPITÆL ZWEI KOLEKTIF in München hat sich Mondtag u.a. mit Politik, Party und den Fragen zur bayerischen Kultur auseinandersetzt. Mit dem Münchner Beni Brachtel, von dem unter anderem die Musik stammt, arbeitet er schon lange zusammen. Einzig irrintierend an der Inszenierung, dass einigen bayerischen Persönlichkeiten eine fremde Sprache in den Mund legt.
„Munich Machine“ ist kein einfaches Stück. Das hat nicht nur mit dem Schnelldurchlauf der geschichtlichen Ereignisse zu tun. Es setzt mit seinen vielen Verweisen, sowohl im Text, aber auch in der Inszenierung ein großes Wissen bei den Zuschauer*innen in puncto bayerischer (Pop-)Kultur, Geschichte und Politik voraus. Es eine Herausforderung an das Publikums, aber auch eine Chance sich im Abschluss nach der Vorstellung noch mehr mit den angerissenen Ereignissen auseinanderzusetzen und danach sich eventuell sich das Stück ein zweite Mal anzuschauen.
Kurze Info zu Klaus Lemke. Er war ein deutscher Filmemacher, der in München wohnte und 2022 verstarb. Er war Teil der Bewegung des Neuen Deutschen Filmes. Seine Filme entstanden zum Teil ohne Drehbuch, mit wenig Budget und mit Laiendarsteller*innen.
Die Uraufführung von „Munich Machine“ war 06. Februar 2026 im Residenztheater in München.