Weihenstephaner am Platzl startet vor dem Oktoberfest

Der Weihenstephaner am Platzl steht kurz vor seiner Eröffnung: 190 Plätze in den früheren Südtiroler Stuben, bewirtet von der Familie Zinner. Die Halbe kostet 5,80 Euro, genauso viel wie im Hofbräuhaus.

Ein neues Wirtshaus am Platzl? Braucht’s das wirklich noch? Die Weihenstephaner Brauerei ist der Meinung: ja. Morgen Abend ist die große Eröffnung mit Ehrengästen, ab Mittwoch ist das neue Lokal geöffnet. In dem Gebäude direkt neben dem Hofbräuhaus befanden sich knapp 20 Jahre lang die Südtiroler Stuben von Alfons Schuhbeck, zeitweise mit einem Michelin-Stern. Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung, Insolvenzverschleppung und Subventionsbetrugs wurde der Betrieb eingestellt. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan hat die Räume danach komplett entkernt. Aus der geplanten Renovierung wurde eine Kernsanierung: rund 14 Monate Bauzeit und ein Millionenbetrag, zwischenzeitlich standen laut Brauerei nur noch die Außenmauern.

Der neue Weihenstephaner am Platzl | Foto: Gerhard Bauer

Zum Platzl hin gibt es nun eine neue Fensterfront mit bodentiefen Türen, die sich im Sommer komplett öffnen lassen, dahinter einen Stehausschank und einen kleinen Laden mit Brauerei-Artikeln. Ein paar Stufen höher liegt der Gastraum mit rund 190 Plätzen, auf der Terrasse sollen weitere 140 unterkommen, dazu das abgetrennte Salettl mit etwa 40 Plätzen. Am Kuchltisch gegenüber der offenen Küche können Gruppen bis 17 Personen Bierverkostungen buchen.

Was uns am besten gefällt: Bewirtet wird das neue Wirtshaus von den Geschwistern Ferdinand und Sebastian Zinner sowie Cornelia Zinner, die in Weihenstephan Brauwesen studiert hat. Sebastian übernimmt die Küche, Ferdinand den Service. Das Trio führt bereits das Wirtshaus Zinner in Taufkirchen und das Weinhäusl am Wiener Platz.

Bis zum Wiesn-Ende gilt eine verkürzte Karte: Schweinsbraten mit Kartoffelknödel, Münchner Schnitzel, Kaiserschmarrn. Die Halbe Helles kostet 5,80 Euro, genauso viel wie nebenan im Hofbräuhaus. Nach dem Oktoberfest sollen modern interpretierte Klassiker dazukommen, etwa Grammelknödel mit Radi-Kimchi. Geöffnet ist täglich ab 11.30 Uhr, die Küche startet um 12 Uhr, Schluss ist in der Regel um 22 Uhr.

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan in Freising gilt als älteste Brauerei der Welt. Ihre Wurzeln reichen zum Benediktinerkloster zurück, das der heilige Korbinian im Jahr 725 auf dem Weihenstephaner Hügel gründete. Im Jahr 1040, also bereits über 100 Hundert Jahre vor der Stadtgründung von München, verlieh Bischof Engilbert von Freising dem Kloster offiziell die Brau- und Schankrechte, was als urkundlicher Beginn der Braugeschichte gilt. Nach der Säkularisation 1803 blieb der Braubetrieb bestehen, seit 1921 firmiert er als Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan und gehört bis heute dem Freistaat Bayern. Auf dem Weihenstephaner Hügel liegt zudem der Campus der Technischen Universität München mit eigener Brauwissenschaft. Zu den bekanntesten Bieren zählen Kristallweissbier und Vitus, die mehrfach prämiert wurden.

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