Vom Nomaden zum Regenwald

Whispers of the Rainforest: Season II im The Cloud by Käfer

Zwei Michelin-Sterne nach nur einem Jahr – und schon geht die kulinarische Reise weiter: Jens Madsen bringt den Amazonas in die BMW Welt

Aus dem Stand zwei Michelin-Sterne, dazu die Auszeichnung als Opening of the Year: Das The Cloud by Käfer in der BMW Welt gehört seit der Verleihung des Guide Michelin am 23. Juni 2026 in Frankfurt zu den nun fünf Zwei-Sterne-Restaurants der Stadt – nur ein Jahr nach der Eröffnung. Als wir damals zum ersten Mal dort saßen, war das Potenzial des Konzepts bereits spürbar: Küche und Raum spielen hier so nahtlos zusammen wie an kaum einem anderen Ort in München.

Respekt gebührt Michael Käfer, der das Talent von Jens Madsen früh erkannt und konsequent auf ihn gesetzt hat – The Cloud ist die erste Stelle des 32-Jährigen als Küchenchef. Madsen selbst bleibt bemerkenswert bescheiden. Die zwei Sterne sieht er nach eigener Aussage auch als Vorschusslorbeeren, die es nun durch Kontinuität und Kreativität zu verteidigen gilt. Die Antwort darauf steht seit heute auf der Karte: Season II, „Whispers of the Rainforest“. Wir durften vier Gänge des neuen Menü vorab bei einem Pressedinner verkosten.

Das Konzept des Culinary Nomadism bleibt der rote Faden: Jede Season widmet sich einer Region der Welt, deren Aromen und Techniken mit heimischen Produkten verwoben werden. Führte die erste Season nach Süd- und Ostafrika, geht die Reise nun ins Amazonasgebiet. Im Frühjahr war Madsen selbst vor Ort – auf Märkten, in lokalen Küchen und im Regenwald. Die Themen, die er von dort mitgebracht hat: Fermentation, Rauch, Säure, Textur, Konservierung und die Idee, dass nichts verloren geht.

Die Side Dishes werden vor den Augen der Gäste angerichtet — Foto: Monika Schreiner

Am Ablauf des Abends hat sich nichts geändert – er hat sich schlicht bewährt. Auch beim zweiten Besuch ist The Cloud ein beeindruckendes Gesamterlebnis von Anfang bis Ende: die einzigartige Architektur unter dem Dach der beeindruckenden BMW Welt und eine ungewöhnlich ruhige, entspannte Atmosphäre, die das Team spürbar mitträgt.

Das Menü

„Whispers of the Rainforest“ umfasst acht Gänge, ergänzt um mehrere Amuse-Gueules. Ein schöner Auftakt: das Amuse mit Zuckerwatte, eine Reminiszenz an die Wolke, unter der man hier sitzt. Wie schon in der ersten Season gibt es das komplette Menü alternativ in einer vegetarischen Variante.

Lachsforelle von der Kinsauer Mühle / Pattison / Bittergurke / Molho Verde — Foto: Monika Schreiner

Einen stärksten Gang zu benennen, fällt uns schwer – dafür ist jeder einzelne zu vielseitig und facettenreich. Besonders gefallen hat uns die Einbindung vermeintlich einfacher Produkte wie Mais oder Cashew und der exotischen Kräuter, die eine Symbiose mit heimischen Zutaten eingehen. Exemplarisch zeigt das die Lachsforelle: Hier kommen gleich zwei Gartechniken aus dem Amazonas zum Einsatz – das Einwickeln in Bananen- oder Maisblätter mit anschließendem Grillen über offenem Feuer sowie das Einlegen in Salz, hierzulande als Beizen bekannt. Schon an den Produktnamen liest sich das Prinzip der Küche ab: Tucupi, Urucum und Maniok treffen auf Rehkeule aus Polting, Rind aus Penzberg und Honig aus Straßlach.

Die Getränkebegleitung

Schon in der ersten Season hat uns die Mischung aus Wein, Cocktails und hausgemachten Getränken überzeugt, mit der Sommelier Luigi Pecchia die Gerichte begleitet. Dieses Konzept wird weitergeführt: Zur Wahl stehen das kombinierte Wein- und Drinkpairing aus Fermenten, Cocktails und ausgewählten Weinen, eine klassische Weinbegleitung sowie eine alkoholfreie Begleitung.

Pecchia hat uns auch diesmal mit seinen Weinen überrascht. Zur Lachsforelle gab es den „Belle Naturelle“ vom Weingut Jurtschitsch – ein spontan vergorener Grüner Veltliner, 60 Stunden auf der Maische, leicht und frisch. Zum Black Angus Rind kam ein Syrah von Timo Mayer ins Glas, untypisch für die Rebsorte, leicht gekühlt serviert und sehr fein. Überraschende Weine, charmant präsentiert – das macht Pecchia einfach großartig.

In der vegetarischen Variante werden die Gänge nicht einfach reduziert, sondern eigenständig gedacht – aus der Coxinha von der Rehkeule wird etwa eine Coxinha mit Mais und schwarzem Trüffel, den Hauptgang übernimmt eine Feldmochinger Zwiebel mit Farofa, Mole und Pflaume.

Feldmochinger Zwiebel im The Cloud | Foto: Monika Schreiner

The Cloud ist gekommen, um zu bleiben – und hat die zwei Sterne verdient. Beeindruckend, was Jens Madsen in seiner ersten Position als Küchenchef geschaffen hat: wie sich das Restaurant in der BMW Welt nach der Ära von Bobby Bräuer stilistisch komplett neu erfunden und in kurzer Zeit wieder einen Platz in der Spitzengruppe der Münchner Gastronomie eingenommen hat.

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