In der Ausstellung “Ein Ferngespräch: Szenen aus der Weimarer Republik” im Lenbachhaus geht es um die Zeit der Weimarer Republik. Diese erste Demokratie in Deutschland, die zwischen den beiden Weltkriegen aufblühte, war geprägt von Umbruch und Innovationen, zu denen unter anderem auch das Radio gehörte, das 1923 in Deutschland mit ersten Livesendungen an den Start ging. Nicht immer brachte die Bevölkerung diesem Fortschritt eine bedingungslose Offenheit gegenüber. So glaubte man, dass man beim Telefonieren eventuell abgehört wird. Kurt Tucholskys nicht ganz ernst zu nehmender Rat war deshalb „möglichst deutlich und dialektfrei“ zu sprechen, damit die Abhörenden alles verstünden.
Zu Beginn der Ausstellung finden die Besucherinnen die wichtigsten Ereignisse auf einem Zeitstrahl. Die dort beschriebenen Ereignisse finden sich später zu Themen zusammengefasst in den Ausstellungsräumen wieder. So wie zum Beispiel das neue Bauen, das unter anderem in Dessau gelehrt und praktiziert wurde. Interessant sind die scheinbar wahllos plakatierten Kommentare an den Wänden. Sie sind wie große Merkzettel, die die Geschichte hinterfragen und kommentieren. Im Nachdenken darüber entsteht bei den Besucher*innen ein innerer Dialog. Dies eröffnet einem selbst ganz andere Perspektiven und lässt Zusammenhänge besser begreifen.
Aufgegriffen werden anhand von Bildern, Filmen, Zeitdokumente, Literatur und Tondokumenten u.a. folgende Themen: Mode und Medien, Arbeit und Nachtleben, politische Kämpfe, Armut und Aufbruch. Sie sind charakteristisch für die 1920er, die spätestens seit der Serie „Babylon Berlin“ in Fokus eines großen öffentlichen Interesses stehen.
Die Ausstellung „Ein Ferngespräch: Szenen aus der Weimarer Republik” ist in Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtmuseum entstanden, das ja im Moment saniert wird und Kooperationen in verschiedenen Bereichen anstößt, wie auch das „Mittendrin“ im Schlachthofviertel. Durch den Austausch mit anderen Institutionen ergeben sich Chancen und entstehen neue Perspektiven.
Fazit: neben den spannenden Exponaten – auch von heute nicht mehr so bekannten Künstler*innen wie Käthe Hoch – kennzeichnet die Ausstellung ein innovativer Vermittlungsansatz von Geschichte, welcher für die Besucher*innen neue Sichtweisen auftut.