Ich mag den Begriff Soulfood nicht, aber wenn es Gericht gibt, das ich persönlich damit verbinden müsste, dann sind das Pellkartoffeln mit Butter. Einfach in der Zubereitung und mit vielen Erinnerungen an die niederbayrische Heimat verbunden. Meine Eltern sind beide in einer Landwirtschaft aufgewachsen und unsere Kartoffeln kamen nicht aus dem Supermarkt, sondern säckeweise von „dahoam“, dem Bauernhof in Malchesing, der schon von meinen Urgroßeltern bewirtschaftet wurde. Dort wird die Quarta angebaut, eine hellgelbe, vorwiegend festkochende Kartoffel mit roten Augen. Mit jedem Monat im Keller wurde sie runzliger und schwerer zu schälen, aber der Geschmack wurde immer besser.
Die Kartoffel ist ein wunderbares Gemüse und fester Bestandteil der bayerischen Küche. In der gehobenen Küche ist sie ein wenig aus der Mode gekommen und von trendigen und exotischen Gemüsesorten an den Rand gedrängt worden. Doch seit rund zwei Jahren ist die Kartoffel in München sprichwörtlich wieder in aller Munde. Grund dafür ist ein unscheinbarer Stand auf dem Viktualienmarkt, der durch glückliche Umstände in die Hände von zwei sympathischen jungen Männern geriet.
Seit der Eröffnung erfreut sich der Kartoffelstand mit dem schönen Namen Caspar Plautz vor allem zur Mittagszeit einer großen Beliebtheit bei den Münchnern. Rund um das Standl drängen sich die Gäste an den Stehtischen und geniessen die wechselnden Tagesgerichte. Die Kartoffel steht hier im Mittelpunkt der Gerichte und wird mit regionalen oder ausgefallenen „Beilagen“ ergänzt: Tafelspitz, Forellenfilet oder auch Shakshuka. Alles passt wunderbar zur Kartoffen und die Kreativität der Jungs von Caspar Plautz scheint grenzenlos zu sein.
Das Buch zum Kartoffelstand
Seit November 2019 gibt es nun auch das Kochbuch zum Stand und es wirklich ein tolles Kochbuch geworden, das die Liebe zur Kartoffel mit ihren grenzlosen Variationsmöglichkeiten vermittelt. Im ersten Teil werden alle klassischen Zubereitungstechniken ausführlich und in verschiedenen Varianten erklärt.
Danach sind die Rezepte in Jahreszeiten aufgeteilt. Wer wie wir gerne mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln kocht, weiß das sicher zu schätzen. Im letzten Teil werden dann noch besondere Toppings und Saucen wie die selbsgemachte Mayonnaise, Pickles oder Nussbutter aufgeführt. Das Buch ist sehr schön gestaltet und bietet neben den Rezeptfotos auch viele Einblicke in den Alltag von Caspar Plautz. Die Fotos stammen von Julian Mittelstädt, die Gestaltung und den Umschlag hat Noëm Held geschaffen, der auch das schöne Corporate Design von Caspar Plautz entworfen hat.