Am südlichen Rand der Sahara liegt eine der komplexesten archäologischen Anlagen des Landes: Die verschüttete Königsstadt Naga. Als Subresidenz der Königinnen und Könige von Meroë war Naga eine strategisch bedeutsame Stadt, die über eine 1800 Jahre im Sand verborgen war. Seit 2013 forscht dort ein Münchner Archäologen Team. Die ungewöhnliche Lage weitab vom Nil stellte sowohl in der Antike als auch bei der aktuellen Erforschung eine besondere Herausforderungen dar. Drei Tempel sowie Dutzende weitere Gebäude haben haben die Jahrtausende überstanden und warten auf ihre Ausgrabung, ebenso wie die ausgedehnten Nekropolen mit Hunderten von Gräbern.

Das Ägyptische Museum holt nun mit einer immersiven Sonderschau die Überreste der einst prachtvollen Tempelstadt des antiken Reichs von Meroë (350 v. Chr. bis 350 n. Chr.) nach München. Mit innovativer Technologie und einem nachhaltigen Restaurierungskonzept setzt das Naga-Projekt Maßstäbe in der modernen Archäologie. Digitales Storytelling und dreidimensionale Soundscapes ermöglichen interessante Einblicke in die Forschungsarbeit. Dieses Eintauchen gelingt durch begehbare Fotopanoramen und den Einsatz innovativer Technik. Mittels präziser Ortung im Ausstellungsbereich hört der Besuchende Klänge aus Naga, zum Beispiel die nächtlichen Wüste.
Auf diese Weise lässt uns das Naga-Projekt die Welt des antiken Sudans neu betrachten und ist ganz nah dran am Ausgrabungsgeschehen, denn Naga liegt rund 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Khartum und vielen ist es nicht möglich, dorthin hinzureisen. Die faszinierende Stätte zu erleben, ermöglicht die Ausstellung.

Die gut einen Quadratkilometer große Königsstadt Naga wurde 2011 von der UNESCO auf die Welterbeliste gesetzt. Die Menschen im Sudan sollen dadurch ein neues Selbstbewusstsein für die eigene Geschichte aufbauen und eine Kulturbrücke zwischen Afrika und der Mittelmeerwelt spannen.
Die Ausstellung war bereits vom 12.05.2023 bis 22.10.2023 im SMAEK zu sehen. Nun wird sie in 2025 neu aufgelegt, da aufgrund der anhaltenden Kriegshandlungen im Sudan nicht absehbar ist, wann die ArchäologInnen ihre Arbeit wieder an der Weltkulturerbestätte Naga aufnehmen können und wie dann die Forschungslage vor Ort sein wird.