Münchens Nachtleben verändert sich gerade spürbar. Ein Grund dafür sind neue Prioritäten. Viele junge Menschen gehen heute seltener aus, planen bewusster und achten stärker auf Themen wie Schlaf, Gesundheit und Klima. Dazu kommt, dass sich nach Corona vieles neu sortiert hat. Clubs und Bars müssen sich mit einer neuen Realität auseinandersetzen: Volle Häuser bis tief in die Nacht sind längst nicht mehr selbstverständlich. Gleichzeitig wächst der Anspruch, dass sich ein Abend sicher anfühlt und dass Atmosphäre nicht allein durch ausgelassenes Feiern entsteht.
Vom Goldener Reiter zu SPIN
Auch im Gärtnerplatzviertel ist dieser Wandel angekommen. Der Club Goldener Reiter war in den letzten Jahren ein fester Anlaufpunkt im Viertel und musste wie viele andere Orte nach Corona neu denken. Der frühere Betreiber Klaus Gunschmann wollte den Club nicht weiterführen. Zwei Mitarbeiter, Felix Ruëff und Jens Milkowski, haben übernommen und führen das Projekt weiter. Direkt neben dem Club haben sie nun eine zweite Bühne für den Abend geschaffen, nämlich SPIN. Die Idee dahinter ist klar. Wer nicht sofort in eine Clubnacht starten will, kann erst in Ruhe ankommen, etwas trinken und Musik bewusst hören, und später nahtlos nebenan weitermachen.

Ein Raum, der ums Hören gebaut ist
SPIN versteht sich als Listening Bar. Im Mittelpunkt steht nicht das Gespräch gegen laute Musik, sondern ein Setup, das bewusstes Zuhören möglich macht. Prägend ist eine wandhohe Vinylwand, die auf rund 2.000 Platten ausgelegt ist. Dazu passt das technische Herzstück, zwei vollständig restaurierte JBL 4341 Studio Monitore aus dem Jahr 1975.


Die Inspiration dafür kommt aus Japan, genauer aus den Jazz Kissas. Das waren Jazzcafés, die in den 1950er und 1960er Jahren Orte geschaffen haben, an denen Klang, Licht und Raumgestaltung zusammen gedacht wurden. Nicht als Show, sondern als konzentrierter Rahmen. SPIN übersetzt diesen Gedanken nach München, ohne daraus ein Museum zu machen. Das Konzept funktioniert vor allem dann, wenn man einen Abend sucht, der nicht sofort auf Tempo geht. Wer eine klassische Bar für laute Runden erwartet, ist hier wahrscheinlich nicht am richtigen Ort.
Drinks mit Japan Bezug und ein klarer Ablauf am Wochenende
Die Getränkekarte bleibt übersichtlich und dreht sich um klassische Bar Kategorien wie Fizz, Sours und Highballs, jedoch immer mit japanischem Einschlag. Auf der Karte stehen zum Beispiel ein Umeshu Negroni mit japanischem Pflaumenlikör oder ein Shiso Gin Fizz, garniert mit Shisoblatt. Dazu passt der Whisky Highball, in Japan ein Standard, hierzulande aber noch nicht überall angekommen. Als alkoholfreie Optionen gibt es unter anderem Oolong Ice Tea oder eine Shisonade. Außerdem sind Bier, Wein und Sake glasweise Teil des Angebots.


Praktisch ist die Kopplung mit dem Club nebenan. Am Freitag und Samstag können die Gäste der SPIN Bar später ohne zusätzlichen Eintritt in den Goldener Reiter wechseln. Das macht den Ablauf leicht, weil man nicht neu anstehen oder neu entscheiden muss. Aktuell ist von Donnerstag bis Samstag ab 19 Uhr. Da die Bar seit Beginn sehr gut angenommen wird, soll auch noch der Mittwoch dazu kommen.
Unterm Strich ist SPIN vor allem für alle interessant, die Musik nicht als Hintergrund, sondern als wichtiges Bestandteil eines Abends sehen. Die Spin Bar ist nicht nur eine neue Bar, sondern auch ein Statement zum veränderten Ausgehen. Weniger Exzess, mehr Fokus. Ob das die neue Normalität wird, zeigt sich gerade in Echtzeit.
