Von außen sieht man es den Stuckfassaden nicht an: Dahinter, in Rückgebäuden und Hinterhöfen, wird gelötet, gedreht, gedruckt, gestrickt und gemalt. Am 14. und 15. November 2026 öffnen die Kreativschaffenden des Viertels bei den Dreimühlentagen jeweils von 12 bis 18 Uhr ihre Ateliers, Werkstätten und Läden, kurz bevor die Adventszeit beginnt. Bis zu 40 Teilnehmende aus Kunst, Design und Handwerk sind bei den Ateliertagen dabei, die zweimal im Jahr stattfinden, einige davon in Räumen, die sonst kein Laufpublikum zu sehen bekommt. Angefangen hat alles in den 1980er-Jahren mit den Goldschmieden, von denen es im Viertel bis heute auffallend viele gibt. Inzwischen reicht die Bandbreite von Gold- und Silberschmuck über Keramik, Bildhauerei, Fotografie und Malerei bis zu Risographie, Hutmacherei, Maßschneiderei, Feinstrick und Lederwaren. Du kannst bei der Arbeit zuschauen, nachfragen, wie ein Stück entsteht, und es dir auch gleich nach eigenen Wünschen anfertigen lassen.
Drei Mühlen, ein verschwundener Bach und viel Stuck
Der Name ist wörtlich zu nehmen. Der Dreimühlenbach, 1712 erstmals erwähnt, zweigte als Seitenarm der Isar bei Thalkirchen ab und trieb die Kaibl-, die Au- und die Brudermühle an, bis 1886 drehten sich hier die Räder. Die Wasserkraft lockte kleine Betriebe für Textilien und Holz an, in den 1870er-Jahren zog die Handschuhmanufaktur Roeckl ins Viertel, die später zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten aufstieg. Ab 1898 entstand das Dreimühlenviertel planmäßig als Stadterweiterung und Arbeiterquartier: fünfgeschossige Mietshäuser mit Stuck, flachen Erkern und Giebeln, die seit 2017 als Ensemble unter Denkmalschutz stehen. 1921 wurde der Dreimühlenbach überbaut, nur der Westermühlbach am Rand des Viertels fließt bis heute offen und erinnert daran, wovon hier einmal alles lebte.
Ein Viertel, das an einen Nachmittag passt
Zwischen Isar, Glockenbach- und Schlachthofviertel besteht das Dreimühlenviertel nur aus ein paar Straßenzügen rund um Dreimühlen-, Ehrengut-, Isartal- und Reifenstuelstraße, dazu kommen drei kleine Plätze: Dreimühlenplatz, Roecklplatz und der Platz an der Reifenstuelstraße. Zu Fuß schaffst du die Runde gut an einem Nachmittag, einen Lageplan mit allen offenen Türen gibt es auf der Webseite der Dreimühlentage. Trotz steigender Mieten ziehen immer wieder junge Kreative zu, die Ausstellenden der vergangenen Ausgaben haben Wurzeln von Österreich und Estland bis Senegal, Nicaragua und Indonesien. Für eine Pause zwischendurch bietet sich ein Kaffee im 3Mills an der Dreimühlenstraße an, und wer bis in den Abend bleibt, geht ein paar Schritte weiter zur Alten Utting an der Lagerhausstraße.